Das Reizdarmsyndrom (früher Colon irritabile) ist das längerfristige Auftreten charakteristischer Symptome ohne nachweisbare Veränderungen der Gewebe/Organe und ohne Veränderung von Laborparametern. Meist
wird ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert, wenn der Dickdarm betroffen ist. Es können jedoch alle Darmanteile (z.B. Speiseröhre, Magen) betroffen sein. Die Symptome eines Reizdarmsyndroms kommen häufig vor. Nach den
internationalen Veröffentlichungen sind 7 bis 25 Prozent der Menschen befallen. In den Industrienationen sind mehr Frauen als Männer befallen. Nur 20% der Menschen mit Symptomen suchen den Arzt auf. Die Lebenserwartung
ist bei einem Reizdarmsyndrom nicht verkürzt. Die Ursache des Reizdarmsyndroms ist nicht geklärt. Allgemein wird jedoch eine Hypersensitivität des Darmes angenommen. Das bedeutet, dass der Darm auf Reize
(Nahrung, psychiche Faktoren, andere Erkrankungen, unbedeutende Hormonverschiebungen überschießend reagiert. Einzelne Ursachen, z.B. in der Nahrung etc. lassen sich bisher nicht beweisen. Als Leitsymptome
gelten vor allem Wechsel von Verstopfung mit Durchfall, krampfartige Schmerzen, meist im Unterbauch und Blähungen. Zusätzlich treten diffuse, also nicht genau beschreibbare, Schmerzen im Bauchraum auf, die meist mit dem
beginnenden Stuhlgang besser werden. Die Patienten haben oft das Gefühl, der Darm sei beim Stuhlgang nicht vollständig entleert. Die Diagnose “Reizdarmsyndrom” darf erst gestellt werden, nachdem andere Erkrankungen
des Magen-Darm-Tarktes ausgeschlossen sind. Die Untersuchungen umfassen eine Laboruntersuchung von Blut und Urin sowie eine Ultraschalluntersuchung des Bauches. Empfohlen wird ebenfalls eine endoskopische
Untersucheung des Dickdarmes, die Koloskopie. Bei zusätzlichen Fragestellungen sind eventuell Röntgenuntersuchungen durchzuführen. Falls zusätzlich
Oberbauchbeschwerden vorliegen, sollte eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Im Einzelfall wären, vor allem bei Verdacht auf eine Milchunverträglichkeit, weitere Tests durchzuführen. Sinnvoll ist auch die
Vorstellung bei einem psychosomatisch tätigem Arzt, um eventuelle Zusammenhänge der Störungen mit der eigenen Befindlichkeit abzuklären. Die Behandlung des Reizdarmsyndroms ist komplex, da vor allem vermittelt
werden muss, dass der Patient nicht in Gefahr ist. Ausführliche, angstreduzierende Gespräche, die über die Erkrankung aufklären, sind sinnvoll. Zusätzlich sind individuelle Ernährungsberatung und eventuell
psychosomatische Beratungen zu empfehlen. Die Gabe von Medikamenten (entblähende, schmerzreduzierende, beruhigende, abführende, stuhleindickende) sollte auf eine kurze Zeitdauer im akuten Problem reduziert werden.
Im Vordergrund steht also der Ausschluss relevanter organischer Ursachen und die nachfolgende beruhigende Beratung, die falls nötig, mit einer psychologischen Behandlung kombiniert werden sollte. Die Gabe von
Medikamenten ist vor allem im akuten Schub sinnvoll. |